Leerer Klub von Mahalia Aura HaberthĂŒr

Leerer Klub. Volle Köpfe. Der Dampf staut sich irgendwo zwischen Aufstehen, Arbeiten und Ausziehen, entweicht kaum mehr. Ekstase? Irgendwo zwischen vollen Aschenbecher auf dem KĂŒchentisch sonntagmorgens und eiskaltem Aareschwumm winkst du klĂ€glich. Deine stetige Begleitung fehlt.

Leerer Klub. Leerer Sigi-Automat. Der wurde einmal aufgefĂŒllt fĂŒr uns im BĂŒro, dann war er bald mal wieder leer. Wir haben dann am Bahnhof Sigis geholt, wenn eh grad Mittag war und der Hunger gross. Dann assen wir zusammen im leeren Klub Essen aus ökobraunen Papptellern und tranken dazu Sinalco-Cola, das schon einen Monat abgelaufen war, aber das brachte uns nicht um und interessierte niemanden. Manchmal tranken wir auch kaltes Wasser aus dem Zapfhahn, wo drei Bier aufs Mal rausgelassen werden könnten. Die AnschlĂŒsse waren abgehĂ€ngt worden und die Leitungen gesĂ€ubert. Bier tranken wir zur nine-till-five Feierabendzeit, manchmal auch vor fĂŒnf Uhr, wenn’s ganz harzig war, aus Flaschen, 1 Gascho reichte aber lange fĂŒr uns aus.

Der Orangenbitterlikör, Wermuth, die gesamte Backbar verstaubt allmĂ€hlich, bald mal wieder putzen, fiel uns immer wieder ein. Das passiere im Klubbetrieb nie, zu gross der Umlauf und auch der Montagsputz sorge dafĂŒr, dass keine Flaschen einstauben, normalerweise. Alles anders. Alles verstaubt. Nicht nur die Flaschen. Über dem ganzen Boden liegt eine dĂŒnne Schicht Staub. Wir bauen um, hatten wir entschieden. Wir vergrössern uns, gehen aufs Ganze. Irgendwann vielleicht zurĂŒckkehren und dann alles neu mischen. Die Baustelle hĂŒllte den Raum, die TanzflĂ€che, lange in einen grauen Schleier, ein Abbild unseres eigenen GemĂŒts, unserer Gedanken.

UG, Menschenleerer Backstage. Vollgestopft mit Ramsch aus 10 Jahren und 10 Ecken Kapitel. Wir haben mal ausgemistet zwischenzeitlich, aber es regnete an diesem Tag, so dass wir nicht gleich entsorgen konnten sondern zwischenlagern mussten. Schade, dachte man jedes Mal beim Durchqueren des menschenleeren, vollgestopften Backstages. Schade um all die viel zu langen GesprĂ€che, die uns vom Tanzen abhielten, aber manchmal auch gut und wichtig waren. Einige vernetzten, die anderen auch, aber anders. Man erholte sich vom Treiben auf der TanzflĂ€che oder wurde in der Schichtpause auch schon mal von einer schummrigen Gestalt gestört, die das FeingefĂŒhl nicht hatte. Dann wurden halt alle mal wieder aus dem Backstage geschickt. Alle mal wieder rauf, auf die TanzflĂ€che, die Musik spiele oben, bitte alle auch ein Glas mitnehmen.

Keine Fotos. Das Schild mit dieser Aufschrift hĂ€ngt immer noch an der SĂ€ule vis-Ă -vis der Bar. Wir hĂ€tten das Schild schon lange Mal von der Wand nehmen sollen, das Gaffa nicht die Farbe dahinter auffressen lassen. Wie bei Vielem, nahmen wir an, dass die Zeit niemals knapp werden wĂŒrde. Auch um dann schnell ein neues Piktogramm zu laminieren, fĂŒr das hĂ€tte es doch reichen sollen. Dachten wir. Wir dachten so lange, dass es noch so lange oder fĂŒr immer ohne Klub weitergehen wĂŒrde.Naja, irgendwann wĂ€re der Zeitpunkt dann doch gekommen. Aber jetzt, BAG? Ja dann, the time is now, Habibi!

Wir werden dich am Eingang begrĂŒssen, du wirst sagen, endlich sind wir wieder da, das ist genau mein Sound heute, und du wirst natĂŒrlich durchgewinkt. An der Kasse wirst du ganz normal Eintritt bezahlen, weil wir die UnterstĂŒtzung brauchen, mehr als je zuvor, SolidaritĂ€t und so. Wir werden an der TĂŒre zum Klub ein Auge auf dich und du auf uns werfen, zurĂŒckhaltend, denn wir kennen uns, alles ist bekannt. Du hörst den Bass von draussen und dann endlich treffen wir im Innern alle aufeinander. Die Musik ist laut, ist lebendig, treibt dich auf die TanzflĂ€che, wir sehen uns, Hallo, lange nicht mehr gesehen, nichts mehr gehört. Alles bewegt sich, wir passen auf uns auf, passen auf, dass die Bewegungen auch passen. Dann spĂ€ter an der Bar, nach all dieser Zeit, stehst du an der Bar und wir trinken zusammen einen Shot, dann Secco, „ja, ich mag es extra-dry“ oder auf die Nacht! werden wir sagen, ziemlich laut. Dann zur Booth, wo Musik gespielt wird, die in diesem Moment besser nicht sein könnte. Wie werden Tanzen, soso lange. Es ist Techno oder House und auch Acid, Trance oder irgendwo ein entfernter Oldschool-Beat und alles andere, was du dir dazwischen ertrĂ€umen kannst. Wir sind zurĂŒck, alle zusammen. Zusammen jetzt verantwortlich fĂŒr diesen einzigartigen Neuanfang. Wir sind zurĂŒck. Mit Überraschungen, Mut, mit noch mehr aware, einem fast neuen Raum, mit AltbewĂ€hrtem und Experimenten. Wir sind zurĂŒck. Wir sind der Kuchen. The Cake, Kolleg*in.